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Das JETZT genießen können

02.01.08 17:14 Alter: 4 Jahre
Kategorie: unholding

VON: EXTERNER REDAKTEUR

Blickt man auf das vergangene Jahr zurück, so bleibt einem gar die Luft weg ob des bislang Erreichten. Steht man doch schließlich auf dem sechsten Platz der Bundesliga - auf Tuchfühlung mit den ganz Großen im deutschen Fussballgeschäft.

 

Nicht lange ist es her als man die Gegner quasi im Vorübergehen an die Wand spielte, um anschließend souverän als Meister der zweiten Liga aufzusteigen; Als Meister jener Liga, von der man sagt, dass sie von Kampf und Herz getragen wird und somit vielleicht noch ein Stück "guten alten Fussball" beherbergt.

 

Vielleicht hat man eben diese Tugenden mitgenommen auf der Reise in die Erstklassigkeit. Eventuell hat mancher noch den Ruß von Wismut im Auge, wenn er die modernen Hochglanz - Arenen der Belle Etage betritt.

 

Doch der Blick in Karsruhe scheint sehr klar zu sein, vielleicht weil man seine Lehren aus dem KSC 2000 gezogen hat. Hier begreift man heute, dass eben jene Teams hervorstechen, die sich auf alte schon verloren geglaubte Tugenden wie Teamspirit, Fleiß, harte Arbeit, ohne Eitelkeiten und Neid, zum Wohle der gemeinsamen Ziele, berufen.

 

Jene Ziele, die irgendwo ca. neun Tabellenplätze unter dem sechsten Platz liegen.

 

Manchen Klub, der mit Millionengagen lockt, sucht man heute vergebens in der oberen Tabellenhälfte. Doch wer steht da eigentlich noch vor dem KSC?

Die Bayern und das Schicksal

An der herbstmeisterlichen Spitze findet man wie so oft den Krösus der Liga, den ruhmreichen FC Bayern München. Jener Verein, der nicht selten das Zünglein an der Waage zum badischen Erfolg und Mißerfolg war.

Spülten die Bayern schließlich nicht selten Geld in leere KSC - Kassen, indem man die einst geschätzte und heute wiedererstarkte Nachwuchsarbeit der Badener anerkannte und als Konsequenz stets die größten Talente an die Isar lotste. Im Jahr des Abstiegs vermochten die Badener jedoch die sportliche Lücke, die vor allem Tarnat und Fink hinterließen, nicht mehr zu schließen, womit der Niedergang bis in die dritte Liga und dem sportlichen und wirtschaftlichen Fast-Aus des badischen Traditionsvereins eingeleitet wurde.

Doch nach Scholl, Kreuzer, Sternkopf, Kahn, Fink, Tarnat sollte in dieser Sasion das Wechselkarrusell eben mal in die andere Richtung gedreht werden.

Nicht zuletzt, weil der FCB ein bisserl mithalf, konnte man in diesem Jahr die Flankenläufe eines Andreas Görlitz, geliehen aus München und in Karlsruhe bestens angekommen, im Wildpark bewundern.



Das große Vorbild und ein Verein voller Parallelen

 An zweiter Stelle und punktleich mit jenen Bayern stehen die Mannen von Thomas Schaaf und Werder Bremen in der deutschen Eliteklasse.

Ebenfalls ein ruhmreicher Verein. Doch was hat der Verein aus dem hohen Norden mit dem KSC zu tun?

Die Antwort liegt auf der Hand. Ein unaufgeregter Manager, der Abgänge mit fast schon arrogant anmutender Gelassenheit kompensiert, unterstützt - auf dem Tandem der Harmonie radelnd - einen cleveren, offensiv spielenden Trainerfuchs, dem man in Interviews fast nicht mehr sehen möchte, weil die Antworten so uneitel, so professionell, ja so ruhig und bedacht gewählt werden, dass das Zusehen fast schon seinen Reiz verliert. Wären da nicht die kleinen Schmunzler und das spitzbübische Lächeln, das oft zu Interpretationen und Deutungsversuchen eines jeden Fans und vermeintlichen Szenekenners verleitet.

Beide Teams spinnen ihr Spiel um einen kleinen, aber immens wichtigen Regisseur, der auf dem Platz ackert und stets präsent ist.

Kaum ein Spieltag, an dem nicht entweder der Bremer Diego oder sein Karlsruher Pendant Hajnal Punkte auf ihr Scorerkonto packen können. Beide wurden von ihren Vereinen verpflichtet, um zwei großartige Regisseure zu ersetzen, die als kaum ersetzbar galten.

Vor allem die Tatsache, dass Hajnal und Diego Verantwortung übernehmen und dabei nach hinten ebenso arbeiten wie sie offensiv Akzente setzen, machte aber wider Erwarten einen Micoud und Federico, der bei Dortmund noch nicht wirklich angekommen zu sein scheint, vergessen. Vielleicht eine Warnung für Hajnal, der laut Medien nun ebenso auf der Wunschliste der Gelb-Schwarzen stehen soll und den Verein für eine festgeschriebene Ablösesumme verlassen kann.



Hamburg und der vermeintliche Fehlkauf
 

Hamburg spielt in diesem Jahr einen herrlichen Fussball, unglaublich dynamich, angetrieben von einem überragenden Van der Vaart, der von den Spitzenclubs Europas gejagt wird und von Ivica Olic, der wie einst Kapllani schon als Fehleinkauf galt, um nun im zweiten Jahr umso deutlicher zu zeigen, was er zu spielen vermag. Kaum ein Duo ist in diesem Jahr gefährlicher als diese beiden.

Dies durfte auch der KSC feststellen als Olic die Ecke von Van der Vaart nutzte um das letzte Tor der Hinserie in der letzten Minute der Hinserie zum 1:1 Unentschieden zwischen dem KSC und dem HSV zu erzielen. Bleibt zu hoffen, dass auch Kapllani nicht vergessen hat, wie man eine Torflaute gekonnt besiegt.



Leverkusen und die Karlsruher
 

Jens Nowotny machte den Anfang. Er wechselte einst vom KSC nach Leverkusen, um rasch zum Nationalspieler zu werden. Lange prägte er als Antreiber der Abwehr das Bild der Werkself um im vergangenen Jahr seinen Abschied von der Fussballbühne im Wildpark zu feiern. Wieso eigentlich dort?

Ein anderer Ex Badener und Ex Leverkusener hat ebenfalls den Sprung in die Nationalmannschaft geschafft.

Clemens Fritz, wechselte einst zu Leverkusen, um durch die erzielte Ablöse den KSC vor dem witschaftlichen Aus zu bewahren. Ihn wieder im Wildpark zu sehen, wird vielen Freude bereiten, auch wenn manch einer ihn lieber in Blau Weiss sehen würde.



Schalke und die Gemeinsamkeit des Jahres

Eine Gemeinsamkeit - neben der Vereinsfarben-  ist vielleicht die Freude der Fans über Dortmunder Krisen.

Während der Schalker Anhang dem Nachbarn jedoch seit jeher sportlichen Mißerfolg wünscht, ist die Mißgunst in Baden wohl eher von Zukunftsangst geprägt.

Denn kaum hat man sich mit dem Abgang von Federico zu den Gelb Schwarzen abgefunden, locken die Westfalen schon die nächsten Karslruher Leistungsträger in den Ruhrpott.

So geistern neben Hajnal auch schon die Namen von Franz und Eggimann durch die Medien und Gerüchteküchen.

Bleibt zu hoffen, dass die desolate Leistung der Dortmunder im Wildpark und der ungewohnte Blick hinter sich - bis Rang 10 - in der Tabelle Hürden auf dem Weg zum "Herzensangelegenheits - Wechsel" darstellen.

 

 

Doch es wird auch beim KSC nicht immer so sein.

Ein Blick nach Stuttgart reicht, um zu sehen wie schnellebig der Fussball ist. Was heute gut ist, muss morgen nicht den selben Gesetzen unterliegen.

Wer heute spielt, sitzt vielleicht morgen schon als Reservist auf einer spanischen Bank oder gar auf einer Tribüne.

Es wird spannend zu sehen, wie man sich in Zukunft präsentiert.

 

Jetzt wo man nicht mehr belächelt wird, jetzt da sich andere Vereine für einen interessieren, andere Spieler bessere Verträge bei schlechterer Leistung in anderen Vereinen erhalten. Manch einer wird den Verlockungen erliegen und manch einer wird sich vielleicht noch oft an das Erreichte erinnern, um festzustellen, dass es die glücklichste Zeit in der eigenen Karriere war.

Ich bin jedenfalls gespannt

 


4 Kommentare
#4 dr.hitti schrieb am 06.01.2008 19:59

gänsehaut titus!

#3 titus schrieb am 06.01.2008 15:39

Können wir das JETZT genießen ?
Die Zeit rennt doch so schnell !
Ich zwicke mich fast jedes mal, wenn ich an meine blauweisse Herzensangelegenheit denke. Ist das wirklich alles wahr, was ich die letzten 2 Jahre im und um den Wildpark erlebt habe ? Das letzte Spiel gegen Paderborn zu Hause - verpasst - Verzweiflung! Die pure Angst, die 1. Liga könnte wiedermal für länger nur ein schöner Traum bleiben. Neidische Blicke via TV in eine hässliche champusverseuchte Cottbuser Kabiene. Trauer ! Dann die Wiederauferstehung der jungen wilden Namenlosen. Spiele die einem berauschen, eine Stadt fast zusammenschweissen, Mut machen bis hin zur blanken Euphorie. Ohhh jaaa, ich bin wieder sooo stolz in fremden Stadien meinen ollen blauweissen Schal in den Himmel zu strecken. April 07 - Ankunft aus HH in KA, im selben ICE wie mein Verein - es ist wahr - uns hält nix mehr auf - dann die 3 Punkte zu Hause - ich schwebe ... und trotzdem traut man sich's noch garnicht auszusprechen: WIIIIIR SIIIIND ERSTKLASSIG !!!! JAAAAA!!!
Ich bin noch nie soooo losgelöst und gelassen zu einem Auswärtsspiel gefahren wie an diesem wunderschönen Sommertag am 20. Mai 07. Ciao Fede, Ciao 2 Liga, Ciao du hässlich kleines Playmobilstadion.
Aufstiegsfeier aufm Balkon - schon über ein Jahr her!
Dann die Renaissance in der Belle Etage - von Fussballdeutschland belächelt - aber der Traum geht weiter ! Mein bettelarmer KSC lässt mich ein ums andere mal verwundert meine Augen reiben. Wir sind angekommen - und wie !!!
Irgendwie geht mir das grad zu schnell. Zu schnell vorbei ? Möchte die Momente festhalten, konservieren, immerwieder abspielen.
Das JETZT genießen können bevor es Geschichte ist !!!

#2 Spueli schrieb am 03.01.2008 22:57

Mindestens ein Rechtschreibfehler smile

#1 Front Runner schrieb am 03.01.2008 10:12

Sehr schöner Artikel - sachlich, nüchtern, eloquent.